Cluj/Rumänien 03.09.-12.09.2015


Am 03.09.2015 bin ich für die Tierschutzorganisation "Fellchen in Not"  nach Cluj in Rumänien geflogen.
Angefragt hatte mich die 1. Vorsitzende Michaela Goldhorn, bei der ich mich hier noch einmal  ganz herzlich bedanken möchte.
 
Thematisch sollte es bei meinem Besuch vor allem um die Körpersprache der Hunde und um die Arbeit mit "ängstlichen" Hunden gehen.
Schnell war mir klar, dass ich die Anfrage annehmen werde. Auch wenn ich im Vorfeld ein wenig nervös war. Nicht wegen der Arbeit mit den Hunden, sondern wegen meiner doch sehr eingeschlafenen Englischkenntnisse. Das sollte sich aber als ein ganz winziges Problemchen herausstellen, da ich vor Ort mehr als herzlich aufgenommen wurde und die Kommunikation meist reibungslos klappte.
 
Es war mein erster Aufenthalt in Rumänien (ok, als ganz kleines Kind war ich schon einmal in Mamaia). Durch Facebook Berichte usw hat man natürlich eine Menge Bilder im Kopf und somit auch gewisse Erwartungshaltungen.
In allen Bereichen bin ich aber in Cluj durchaus positiv überrascht worden.
Sowohl von den helfenden Menschen vor Ort - natürlich allen voran Alina- , deren Arbeit mit den Hunden, aber auch von der Ecarisaj.  Nicht das ich die Ecarisaj für gut befinden würde und erst recht nicht die Mitarbeiter in dem städtischen Tierheim, aber ich hatte mir es wesentlich schlimmer vorgestellt. Aber Michi hatte mir ja im Vorfeld schon gesagt, dass es für rumänische Verhältnisse ein gutes Tierheim ist.
 
Nun ein kleines Tagebuch von meinem Aufenthalt in Cluj
 
Donnerstag, 03.09.2015
Ein Freund hat mich Mittags zum Flughafen nach Dortmund gebracht. Alles ging reibungslos und ich hatte dort noch viel Zeit. So konnte ich noch ein wenig im Dictionary und im DOGtionary (von Dorothée Schneider/animal learn verlag) stöbern.
Der Flug verlief sehr ruhig und ich landete pünktlich in Cluj-Napoca. Am Flughafen holte mich Celia ab, die mich in meine Pension gefahren hat. Diese liegt etwas außerhalb der Stadt, aber in der Nähe von den meisten Hundepensionen, in denen ich die meiste Zeit verbringen werde.
Kurz frisch gemacht und im Restaurant auf Alina und Lucuta gewartet. Schnell wurde klar, dass vegetarisches Essen in dieser Pension etwas schwieriger ist. Aber ich bin ja nicht für eine kulinarische Rundreise nach Cluj gekommen ;)
Etwas später gesellten sich dann Alina und Lucuta zu mir und wir besprachen die nächsten Tage. Ab da war die Nervosität eigentlich verflogen, da die beiden direkt äußerst sympathisch waren.
Wir haben noch über alles Mögliche gequatscht und es wurde mal langsam Zeit fürs Bett.
 
Freitag, 04.09.2015
Um 08:00 Uhr gab es in der Pension Frühstück, da Alina mich bereits um 9:00 Uhr abgeholt hat und mich zum ersten "Einsatzort" brachte. Die Hundepension von Magda "Pet Joy".
Dort stellte mir Anamaria mir die "ängstlichen" Hunde Harvey, Kathy und Alma vor. An Mitarbeiterinnen waren noch Ago, Bernadette, Ana und Julia dort.
Wir haben uns angeguckt, wie man das Vertrauen von "ängstlichen" Hunden gewinnt und versucht zu erarbeiten was man dabei verbessern kann. U.a. dass man mit sicheren ruhigen Hunden arbeiten kann, da die Hunde sehr gut voneinander lernen. Auch das Vertrauen zu uns Menschen. Besprochen wurde dabei auch unsere eigene Körpersprache. Wann wirken wir auf die Hunde bedrohlich und wann nicht. Dies sollte dann alles am Samstag in einem Vortrag genauer erörtert werden.
 
Nach der Mittagspause (in einem tollen vegan/vegetarischen Restaurant ;) ) ging es dann zu dem neuen Gelände von Magda, wo sich seit kurzem ein sehr "ängstlicher" Hund namens Snow befindet. In zwei kurzen Einheiten habe ich mit Anamaria versucht das Vertrauen von Snow zu bekommen. Snow traute sich zu dem Zeitpunkt noch nicht aus seinem Kennel raus und hat in der Anwesenheit  von Menschen nicht gegessen. Bereits bei der 2. Einheit konnten wir ihn mit gutem Käse überzeugen, dass wir gar nicht sooo schlimm sind. Zum Schluss der Übungseinheit hat er sogar ein Stück von Anamarias Hand genommen. Ein guter, für alle Seiten positiver Zeitpunkt um das Training an diesem Tag zu beenden.
Ein weiterer eher ehemals "ängstlicher" Hund (Agathe) befand sich innerhalb des Hauses. Den haben Bernadette und Anamaria aber inzwischen prima hinbekommen.
Nach meinem Aufenthalt in Rumänien habe ich mit Anamaria gechattet und sie hat mir stolz erzählt wie Snow bereits viel offener geworden ist und auch auf dem Hof rumläuft. Toll wie viel Spaß sie an der Arbeit mit den Hunden hat.
 
Abends haben Anamaria und Bernadette mir dann ein wenig die Innenstadt von Cluj gezeigt.
 
Samstag, 05.09.2015
 
Um 09:00 Uhr hat mich Alina wieder von der Pension zum Pet Joy Hotel gebracht. Wir haben nochmal mit den drei "ängstlichen" gearbeitet, aber u.a. auch mit dem Cane Corso Guss (meinem Liebling ;) ), der ein wenig territoriales Verhalten zeigt. Ihn hatten seine "Besitzer" einfach in der Pension zurückgelassen.
 
Nach dem Mittagessen ging es dann zu Alina.
Dort habe ich einen Vortrag zu den Calming Signals gehalten. In diesem ging es auch darum, die Signale bei den Hunden zu erkennen und wie wir diese auch selbst einsetzen können. Dabei ergaben sich einige Diskussionen und interessante Gespräche. Trotz teilweiser Sprachprobleme und diverser Übersetzungen war dieser Teil wohl informativ für alle und sollte in den nächsten Tagen in der Praxis umgesetzt werden.  Anwesend bei dem Vortrag waren die Mitarbeiter von Magda und Alina.
Heute ging es dann früh ins Bett.
 
Sonntag , 06.09.2015
 
Heute konnte ich ausschlafen. Alina hat mich um 09:30 Uhr abgeholt ;)
Im Auto befand sich bereits der Rottweiler Vito. Wir wollten gucken, wie er sich mit anderen Hunden und in der Stadt verhält. In der Stadt haben wir uns bei Celia getroffen. Die erste Leinenbegegnung hatten wir dann mit Celias Ducky, der auch mit in die Stadt gekommen ist.
Vito hätte vermutlich jeden Verhaltenstest bestanden. Ein Problem war für ihn eine sehr schmale Brücke über Wasser. Aber auch da war es schön zu sehen, wie schnell er vor allem Ducky vertraut hat und mit uns über die Brücke gekommen ist. Danach hatten wir Begegnungen mit schreienden Kindern, Fahrrädern, anderen Hunden usw. Auch als Ducky den Vito einmal richtig angeranzt hat, hat er sich vorbildlich verhalten.
 
Nach der Mittagspause bin ich mit Celia zu der Hundepension von Christina gefahren um dort u.a. Hundebegegnungen mit Hunden zu üben, die sich nicht mögen.
Auch in diesen Gesprächen ist das Thema Stress bei Hunden vertieft worden. Wie auch hier in Deutschland ist dort leider die Meinung sehr verbreitet, dass man alles über die körperliche Auslastung von Hunden regeln kann. Das man Hunde aber durchaus auch mal entschleunigen sollte und lieber mal die Nase und den Kopf der Hunde beschäftigen sollte ist hoffentlich angekommen.
 
Montag, 07.09.2015
 
Heute ging es dann pünktlich um 9:00 Uhr zum Haus von Alina. Dort habe ich mit Christina (die mich während des Vortrages schon sehr gelöchert hat :) ) und Kimmy (?) mit einigen "ängstlichen" Hunden gearbeitet. Thematisch daher sehr ähnlich wie in der Pension von Magda. Am Endes des kleinen Tagebuches folgt dann einfach mal eine Auflistung von Themen, die immer wieder vertieft wurden.
 
Nach dem Mittagessen ging es dann zusammen mit Christina zu der neuen Farm von Alina.
Dort empfing uns der Mitarbeiter Dorin, der mir alle Hunde von meiner Namensliste vorstellte. Leider konnten wir das nur an der Leine und nicht im Freilauf machen, da die Außenfläche noch nicht fertig ist. Schön ist das mit Dorin dort ein "kräftiger" Mann arbeitet, da doch viele rumänische Hunde erst mal durch ihre Sozialisation Probleme mit Männern haben. Dort haben sie vielleicht erstmals die Chance einen Mann kennenzulernen, der Hunde einfach liebt. Was man auch auf jedem Foto von Dorin sieht.
 
Dienstag, 08.09.2015
 
Morgens ging es wieder zu Alina und wir haben die sehr "ängstliche" Hündin Susi an die Leine genommen. U.a. haben wir auch noch mit Freyo, Akio, Alvin und Sidney gearbeitet.
 
Weiter ging es dann zu Magdas Pension. Dort habe ich mit Julia (Mitarbeiterin) und ihrem "ängstlichen" Hund Joy  gearbeitet. Joy hat Probleme mit fremden Menschen und so konnten wir mit mehreren Leuten an der Problematik arbeiten. Dabei konnten sie Joy auch in drei verschiedenen Situationen beobachten und dabei das unterschiedliche Verhalten sehen:
- Joy und ich alleine im Gehege
- Joy, ich und eine weitere Person, die Joy bereits kennt
- und dann plus einem Hund, den Joy mag und der auch alle Menschen mag
 
Später bin ich dann mit Alina zur Farm gefahren um den Herdenschutzmix Arthos zu begutachten. Zudem hat Alina dort noch einige Hunde geimpft.
Abends ist Alina mit mir noch einige Futterstellen von Straßenhunden abgefahren. Sobald sie Alinas Auto gehört haben sind sie aus ihren Gebüschen rausgekommen und haben sich sehr über unsere Ankunft gefreut.
 
Mittwoch, 09.09.2015
 
Morgens war ich wieder in Alinas Haus. Es ist schön zu beobachten, dass einige der "ängstlichen" Hunde in so kurzer Zeit schon einiges an Vertrauen gewonnen haben. Auch Gold ließ sich heute bereits kraulen. Akio geht inzwischen schon viel sicherer an der Leine auf dem Hof und auch Susi war an der Leine kurz draußen. Sie reagiert aber noch sehr panisch und benötigt eine längere Leine um dabei nicht so nah beim Menschen zu sein.
 
Anschließend dann mein letzter Aufenthalt bei Pet Joy. Auch Alma fasst langsam ein wenig Vertrauen und lässt sich von mir raus locken. Schön zu sehen. Harvey ist immer noch etwas misstrauisch, aber er kann dem Nassfutter einfach nicht widerstehen ;) Auch Kathy fängt an mit den Mitarbeiterinnen albern zu spielen. Als letztes hatte ich hier dann doch den Wunsch, dass die Mitarbeiterinnen eher versuchen den Hunden Geschirre/Halsbänder anzulegen. Die Hunde sollten hier schon daran gewöhnt werden. Ebenso natürlich an kurze Spaziergänge an der Leine. Mit Blacky haben wir noch einige Leinenführigkeitsübungen vor der Pension gemacht.
 
Später ging es mit Alina zu Christinas Pension um Spock zu impfen und ihn ein wenig zu begutachten. In dieser Pension gibt es wohl keine Mitarbeiter und es findet keine wirkliche Arbeit mit den Hunden statt. Sie haben dort zwar sehr schöne Möglichkeiten um zu laufen und zu spielen, aber das hilft einem bei einem "ängstlichen" Hund natürlich nicht weiter.
 
Donnerstag, 10.09.2015
 
Morgens dann noch einmal zur Farm. Ich wollte mir noch ein zweites mal Stevie angucken, der fremde Männer vor seinem Zwinger erst mal anmacht. Mit einem Leckerchen oder aber mit einer Leine überlegt er sich das aber ganz schnell anders.
Anschließend waren Celia, Alina und ich mit den Hunden Chance und Lizzy in der Stadt um ihr Verhalten genauer zu beobachten. Die Hinfahrt verbrachte Lizzy dabei auf meinem Schoss. Leider wurde sie morgens gefüttert ;) Ansonsten haben sich beide prima verhalten. Lizzy hat sich sehr an Chance orientiert und beide haben sich nur kurz vor einem LKW erschrocken.
 
Dann der Moment, vor dem ich die ganze Zeit ein wenig Angst hatte. Carmen ist mit mir in die Ecarisaj gefahren. Wir haben uns zusammen die Hunde auf meiner Liste angeguckt. Carmen hat dann mit einer weiteren Helferin die Hunde gefüttert und mit Trinkwasser versorgt. Leider sind die zahlreichen Mitarbeiter da wohl nicht zu motiviert. In der Zeit habe ich mir fast jeden Hund einzeln angesehen. Auch wenn es für rumänische Verhältnisse ein sehr gutes Tierheim ist, war ich doch sehr geschockt. Vor allem über die Interessenlosigkeit und auch Rücksichtslosigkeit der dortigen Mitarbeiter.
Das zeigte sich auch an dem Hund Scroby aus der "Quarantäne", dem es sehr schlecht ging. Keinen der Mitarbeiter stört das. Mit Raluca bin ich mit ihm zu einem Tierarzt gefahren und er musste dort bleiben. Meine letzte Info war das es keine Parvo ist, aber es nicht gut um ihn steht. (Update später Zuhause: Scroby hat überlebt und eine Familie gefunden)
 
Bei dem Tierarzt war gerade auch Maria. So bin ich von dort direkt mit zu ihrer Pension gefahren, da ich mir auch dort noch einige Hunde angucken sollte und Tipps für die weitere Arbeit mit denen geben wollte. An dem Tag hat sie mir die Hunde Astro und Paul vorgestellt. Bei Astro muss man sehr genau auf seine Signale achten. Paul ist ein sehr "ängstlicher" Hund, der wohl schon seit 2 Jahren bei Maria ist.
 
Abends bin ich dann mal mit dem Taxi in die Innenstadt gefahren. Der Vater von Ago (Mitarbeiterin bei Magda) ist Jazzmusiker und gab in einer gemütlichen Kneipe ein Konzert. So konnte ich mit einigen Mitarbeitern und Umfeld auch mal privatere Gespräche führen. Natürlich ging es dabei auch viel um die Hunde. Den Abend haben wir dann noch in einem netten alternativen Club  ausklingen lassen. Schön das es mit den Leuten auch privat sehr gut funktioniert hat. So konnte man einige Sachen noch ganz anders ansprechen.
 
Freitag, 11.09.2015
 
Heute ging es mal etwas später los. Aber das ist ja nach einer Woche auch mal erlaubt.
Es ging dann zur Pension von Maria. Besonders Thema war dort immer wieder Paul. So kann es dort mit ihm nicht weiter gehen. Es muss dringend mehr mit ihm gemacht werden und er braucht Anschluss an Menschen und Hunden, wenn man mit ihm was erreichen will. Am 2. Tag hatte er schon ein wenig mehr Vertrauen zu mir und hat sich ein wenig in seinem Körbchen bewegt und nicht mehr gezittert. Auch die Wurst hat ihn motiviert seinen Hals mal zu strecken. Aus der Hand hat er natürlich noch nichts genommen. Mara dort ist auch "ängstlich", aber traute sich schon nach kurzen Einheiten direkt zu mir hin.
Dort in der Pension müsste wesentlich mehr mit den Hunden gemacht werden. Das Wissen ist bei Maria eigentlich vorhanden. Hoffentlich hat sie sich einiges zu Herzen genommen. Denn eigentlich macht sie das gerne.
Inzwischen habe ich erfahren, dass Paul in eine andere Pflegestelle kommt, in der man sich mehr mit ihm beschäftigen kann :)
 
Abends ging es dann noch zu einem letzten gemeinsamen Abendessen mit mehreren Leuten, denn die Zeit war schon vorbei. Da der Flug am Samstag sehr früh geht, war der Abend schnell vorbei.
 
Samstag, 12.09.2015
 
Morgens um 4 hat mich Lucuta an der Pension abgeholt um mich zum Flughafen von Cluj zu bringen.
Irgendwie gingen die Tage zu schnell vorbei. Ich habe nicht nur viele der Hunde lieb gewonnen, sondern auch die Menschen, die sich dort sehr liebevoll um diese kümmern.
Meine Lei habe ich mal nicht umgetauscht. Vielleicht darf ich ja noch einmal vorbeikommen :)
 
Bedanken möchte ich mich bei Fellchen in Not, die dort ein tolles Projekt auf die Beine gestellt haben, bzw unterstützen und natürlich auch bei den vielen Leuten in Cluj (Alina, Lucuta, Christina, Kimmy (?), Ago, Anamaria, Julia, Anna, Bernadette, Maria, Carmen, Celia, Dorin, Lia und Mann, Raluca 1 und 2...b ich hoffe ich habe nicht so viele vergessen. Wenn doch dann sorry)
 
Alle haben sich auch liebevoll um mein vegetarisches Essen bemüht und haben mich in diverse Restaurants in Cluj und Umgebung eingeladen. Auch dafür vielen Dank.

Ein besonderer Dank auch an Jana, die in meiner Abwesenheit auf Angie aufgepasst hat. Sonst wäre diese Reise für mich gar nicht möglich gewesen.
Danke :*

Hier mal die Themen, die ständig in diversen Situationen besprochen wurden.

-    Beschwichtigungssignale erkennen und selbst einsetzen
-    Eskalationsleiter der Hunde (Knurren ist Kommunikation!)
-    Vermeidung von aversiven Methoden
-    Stress bei Hunden
-    Stressvermeidung und die Probleme damit vor Ort
-    Sinnvolle Beschäftigung von Hunden vor Ort
-    Enriched environment
-    Arbeiten/Annäherung mit/bei "ängstlichen" Hunden
-    Arbeiten/Annäherung mit/bei territorialen Hunden
-    Hilfe bei "ängstlichen" Hunden durch sichere Hunde"
-    Leinenführigkeit
-    Geschirr/Halsband anlegen
-    Auto positiv kennenlernen
-    .....